Die Wirbelsäule ist die zentrale Stütze unseres Körpers. Sie hält uns aufrecht, trägt Lasten und schützt die Nervenstrukturen. Gleichzeitig ermöglicht sie das Vorbeugen, Aufrichten, Seitneigen und Drehen des Rumpfes. Für all diese Bewegungen müssen Wirbel, Bandscheiben, Gelenke, Bänder und Muskeln zusammenarbeiten.
Die Lendenwirbelsäule besteht aus fünf Wirbeln und trägt einen grossen Teil des Gewichts des Oberkörpers. Die Bandscheiben helfen bei der Verteilung dieser Belastung, während Muskeln und kleine Gelenke für Stabilität und Beweglichkeit sorgen. Aus dem Wirbelkanal treten Nervenwurzeln aus, von denen einige für Bewegung und Empfindung in den Beinen zuständig sind.
Über das Zusammenspiel dieses Systems denken wir meist erst beim Auftreten von Schmerzen nach. Dann können selbst einfache Aktivitäten, etwa das Aufstehen aus dem Bett, das Anziehen von Schuhen oder das Einsteigen ins Auto, schwierig werden. Wir hören häufig Begriffe wie Lumbago, lumbosakrales Syndrom oder Ischias, doch was bedeuten sie eigentlich?

Lumbago – Schmerzen und Steifheit im unteren Rücken
Bei einer Lumbago treten die Schmerzen vorwiegend im unteren Rücken auf. Häufig beginnen sie plötzlich, zum Beispiel beim Bücken, beim Heben eines Gegenstands oder beim Aufstehen.
Typische Beschwerden sind:
- Schmerzen im unteren Rücken, die scharf oder stechend sein können;
- verspannte Muskeln und ein Gefühl von Steifheit;
- Schwierigkeiten beim Bücken, Drehen oder Aufrichten.
Betroffene sagen häufig: „Es hat mir ins Kreuz geschossen und ich kann mich nicht mehr aufrichten.” Kribbeln, Taubheitsgefühle und Schwäche im Bein sind für eine Lumbago allein nicht typisch.
Ischias – Schmerzen mit Ausstrahlung ins Bein
Bei Ischias strahlen die Schmerzen durch die Reizung einer Nervenwurzel ins Bein aus, meist nur auf einer Seite. Sie können durch das Gesäss und bis unterhalb des Knies ziehen, manchmal bis in den Fuss oder die Zehen.
Typische Beschwerden sind:
- scharfe oder brennende Schmerzen entlang des Beins, manchmal wie ein Stromschlag;
- möglicherweise Kribbeln oder Taubheitsgefühle in einem Teil des Beins oder Fusses;
- manchmal eine Schwäche im Bein oder Fuss, die ärztlich abgeklärt werden sollte.
Betroffene sagen häufig: „Der Schmerz zieht mir ins Bein.” Auch der Rücken kann schmerzen, die Schmerzen im Bein können jedoch stärker ausgeprägt sein.
Am einfachsten lässt sich der Unterschied so merken: Lumbago betrifft vor allem den unteren Rücken, Ischias strahlt ins Bein aus.
Beide Beschwerden können gleichzeitig auftreten, dann spricht man von einer Lumboischialgie. Allerdings sind nicht alle Beinschmerzen Ischias, weshalb eine Untersuchung wichtig ist, um den Unterschied festzustellen.
Lumbosakrales Syndrom (Sy LS)
Dies ist ein übergeordneter Begriff für Schmerzen, Steifheit und eingeschränkte Beweglichkeit im Lenden-Kreuzbeinbereich, also im unteren Rücken. Die genaue Ursache und eine mögliche Nervenbeteiligung klären wir durch Untersuchung und Diagnostik ab. Bei dieser Diagnose ist zu beachten, dass damit eine Gruppe von Beschwerden,die noch nicht genau eingeordnet sind, unter einer einzigen Abkürzung zusammengefasst wird.

Warum entstehen Schmerzen?
Bei den meisten Kreuzschmerzen lässt sich keine einzelne Struktur zuverlässig als alleinige Schmerzquelle bestimmen. Dann spricht man von unspezifischen Kreuzschmerzen. Die Schmerzen sind real, auch ohne eindeutig festgestellte spezifische Ursache wie einen Bruch, eine Infektion oder eine andere gezielt zu behandelnde Erkrankung.
Was kann die Beschwerden beeinflussen?
Folgende Faktoren können das Auftreten und die Dauer der Schmerzen beeinflussen:
- Körperliche Belastung – die Anforderungen bei der Arbeit und im Alltag.
- Allgemeiner Gesundheitszustand – andere Erkrankungen und die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit.
- Stress und Angst vor Bewegung – sie können das Schmerzerleben und die Rückkehr zu Aktivitäten beeinflussen.
Welche Veränderungen der Wirbelsäule können mit Schmerzen verbunden sein?
Mit der Zeit verändern sich Bandscheiben, Knorpel und die kleinen Gelenke der Wirbelsäule. Degenerative Veränderungen sind mit zunehmendem Alter häufig und müssen keine Beschwerden verursachen.
Wenn sie mit Beschwerden verbunden sind, können sie Folgendes umfassen:
Eine Bandscheibenvorwölbung oder einen Bandscheibenvorfall – wenn Bandscheibengewebe eine Nervenwurzel reizt oder auf sie drückt, können ins Bein ausstrahlende Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Schwäche auftreten.
Veränderungen der kleinen Gelenke, der sogenannten Facettengelenke – können zu örtlichen Rückenschmerzen und Steifheit beitragen.
Eine Spinalkanalstenose – eine Verengung der Räume für die Nerven, zu der Veränderungen an Bandscheiben, Gelenken und Bändern beitragen können.
Eine Spondylolisthese – eine Verschiebung eines Wirbels gegenüber dem benachbarten Wirbel, die mit Schmerzen oder Druck auf Nerven verbunden sein kann.
Eine Veränderung an der Wirbelsäule bedeutet nicht automatisch Schmerzen oder eine unvermeidliche Verschlechterung. Ihre Bedeutung wird anhand der Symptome und der Untersuchung beurteilt.

Brauchen Sie sofort eine MRT?
Nicht bei jeder Episode von Kreuzschmerzen ist eine Bildgebung erforderlich. Eine MRT oder andere Untersuchungen werden bei Verdacht auf eine ernstere Ursache oder bei möglichen Auswirkungen des Befunds auf die Behandlung erwogen.
Degenerative Veränderungen und Bandscheibenvorwölbungen sind auch bei Menschen ohne Schmerzen häufig. Begriffe wie „Degeneration” oder „Protrusion” in einem Befund erklären daher für sich allein nicht alle Beschwerden. Die Bildgebung ist Teil der Abklärung und wird zusammen mit den empfundenen Beschwerden und den Untersuchungsergebnissen beurteilt.
Wie können Sie sich bis zum Physiotherapietermin selbst helfen?
Wenn keine der nachfolgend genannten Warnsymptome vorliegen, stehen die Linderung der Beschwerden und ein verträgliches Mass an Aktivität im Vordergrund.
Bewegen Sie sich kurz und regelmässig
Kurze Spaziergänge und einfache Alltagsaktivitäten sind meist besser als längere Bettruhe. Eine kurze Ruhepause kann guttun, kehren Sie danach jedoch regelmässig zu leichter Bewegung zurück.
Passen Sie die Belastung vorübergehend an
Reduzieren Sie schweres Heben und andere für Sie besonders schmerzhafte Tätigkeiten. Teilen Sie Aktivitäten in kürzere Abschnitte auf, während Sie schrittweise zu Ihrer gewohnten Belastung zurückkehren.
Wechseln Sie die Position
Wechseln Sie je nach Verträglichkeit zwischen Sitzen, Stehen und Gehen. Vermeiden Sie besonders bei Ischias längeres ununterbrochenes Sitzen oder Liegen.
Versuchen Sie es bei guter Verträglichkeit mit Wärme
Eine warme Auflage kann Steifheit und Muskelverspannungen lindern. Wickeln Sie diese zum Schutz Ihrer Haut in ein Tuch. Wenn Ihnen die Wärme unangenehm ist oder die Symptome verstärkt, wenden Sie diese Methode nicht weiter an.
Erzwingen Sie keine Übungen bei zunehmenden Beschwerden
Eine für andere hilfreiche Übung muss für Sie nicht geeignet sein. Wenn die Übung Ihre Schmerzen verstärkt, brechen Sie sie ab und holen Sie sich Rat. Achten Sie besonders auf neu auftretende oder zunehmende Taubheitsgefühle und Schwäche.
Besprechen Sie geeignete Schmerzmittel mit einer Ärztin oder einem Arzt beziehungsweise in der Apotheke, insbesondere bei anderen Erkrankungen oder bestehender Medikamenteneinnahme.
Bei Einschränkungen im Alltag, zunehmenden Schmerzen oder ausbleibender Besserung über mehrere Wochen vereinbaren Sie einen Untersuchungstermin.
Wann sollten Sie sofort Hilfe suchen?
Die meisten Kreuzschmerzen stehen nicht mit einer schweren Erkrankung in Zusammenhang. Es gibt jedoch bestimmte Symptome, die eine rasche Reaktion erfordern.
Suchen Sie bei folgenden Begleitsymptomen Ihrer Schmerzen sofort medizinische Notfallhilfe:
- kein Wasserlassen mehr möglich oder Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm
- neue Taubheitsgefühle im Schritt, im Bereich der Genitalien oder des Afters
- starke oder zunehmende Schwäche oder Taubheitsgefühle in beiden Beinen, beziehungsweise neu auftretende Ischiasbeschwerden auf beiden Seiten
- neue starke Schwäche im Bein oder Fuss, zum Beispiel wenn der Fuss plötzlich „herabhängt”, solche Symptome können auf eine ernsthafte Störung der Nervenfunktion hinweisen.
- Eine dringende Untersuchung ist auch nach einer schweren Verletzung oder einem Verkehrsunfall erforderlich.
Suchen Sie noch am selben Tag ärztlichen Rat bei Schmerzen mit Fieber, Schüttelfrost oder allgemeinem Unwohlsein, beziehungsweise bei plötzlich einsetzenden, sehr starken oder rasch zunehmenden Schmerzen.
Wie kann Ihnen Physiotherapie helfen?
Wir passen die Therapie Ihren Symptomen, Möglichkeiten und Zielen an.
Wir unterstützen Sie durch:
- Abklärung Ihrer Beschwerden – wir prüfen den Schmerzort, eine mögliche Ausstrahlung ins Bein sowie Beweglichkeit, Kraft und Funktion. Bei Bedarf prüfen wir auch Anzeichen einer Nervenbeteiligung.
- Verständnis der Schmerzen – wir erläutern den Befund und sinnvolle Anpassungen im Alltag ohne unnötige Vermeidung von Bewegung.
- Linderung von Schmerzen und Steifheit – durch angepasste Übungen und, sofern geeignet, manuelle Behandlungstechniken.
- Verbesserung von Kraft und Beweglichkeit – wir beginnen mit einer für Sie verträglichen Belastung und steigern diese schrittweise entsprechend Ihrer Reaktion.
- Rückkehr zu Alltagsaktivitäten – wir arbeiten an konkreten Zielen, etwa leichterem Aufstehen, längerem Gehen, dem Hochheben Ihres Kindes oder der Rückkehr zu Arbeit und Freizeitaktivitäten.
- Erhalt der Fortschritte nach der Genesung – wir vereinbaren einen Plan für selbstständiges Training und regelmässige Bewegung mit dem Ziel einer Verringerung des Risikos erneuter Beschwerden.
In der Physiotherapie im Rike-Hus in Effretikon und Winterthur richten wir Ihren Therapieplan an Ihrem Alltag aus. Wenn Kreuzschmerzen Ihre Alltagsaktivitäten einschränken, melden Sie sich bei uns zur Abklärung.



